[Rezension] Die Birken wissen`s noch von Lars Mytting



Die Birken wissen`s noch
- Lars Mytting -
4/5 Sterne

Insel Verlag
516 Seiten
Kindle Ausgabe 21.99 €
Gebundene Ausgabe 24.95 €
ISBN-13: 978-3458176732

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Klappentext:
 
Auf einem entlegenen Bergbauernhof im norwegischen Gudbrandstal wächst Edvard mit seinem wortkargen Großvater Sverre auf. An seine Mutter hat er nur eine vage Erinnerung – an einen Duft, ein Gefühl von Wärme, einen blauen Rock. Denn die Eltern sind ums Leben gekommen, als Edvard drei Jahre alt war. Um ihren Tod wird ein Geheimnis gemacht, und auch um den Ort, an dem sie starben.
Zu diesem Geheimnis gehört auch das Schicksal Einars, des Bruders des Großvaters. Edvard weiß nur, dass er ein Meistertischler war und als junger Mann zur Ausbildung nach Paris ging. Dass er seine Werkstatt mitsamt dem Wald von Flammenbirken zurückließ. Dass für den Großvater ein Sarg geliefert wurde, lange vor dessen Tod – ein Stück Kunsttischlerei, wie es noch nie jemand gesehen hat –, und dass Einar womöglich gar nicht tot ist, wie es der Großvater behauptete.
Als dieser gestorben ist, macht Edvard sich auf die Suche nach dem Geheimnis seiner Familie. Es wird eine lange Reise, an deren Ende er mehr als nur ein Geheimnis kennt.
Die Geschichte einer verzweifelten Suche nach der Mutter, dem Vater, den eigenen Wurzeln – und einer Reise, die Edvard durch fremde Länder führt und dessen Familiengeschichte ein ganzes Jahrhundert umfasst: das Jahrhundert der großen Tragödien.
 

Meine Meinung:
 
Zurückgezogen, als "Außenseiter" wächst Edvard auf dem Bergbauernhof seines Großvaters Sverre auf, der die Vergangenheit tot schweigt.
Edvards Eltern kamen ums Leben, als er drei Jahre alt war, doch über die Umstände wird nicht gesprochen. Großvaters Bruder Einar, angeblich im Krieg gefallen, schien oder scheint auch noch zu leben, denn als Sverre stirbt steht da dieser Sarg für ihn bereit. Ein Stück Kunsttischlerei, das seines gleichen sucht.

Beim Ausmisten findet Edvard Umschläge mit Angaben zu seinem Vater, Mutter usw. Es lässt ihm keine Ruhe, der Name seiner Mutter soll einst ein anderer gewesen sein?

Zum ersten mal in seinem Leben verlässt Edvard den Hof, auf eine Reise ohne bestimmtes Ziel oder Ausgang. Nur mit dem Kopf voller Fragen und der Hoffnung auf Antworten.

Eine sehr traurige, gefühlvolle, spannende, aber vor allem auch hoffnungsvolle Geschichte über die Suche nach seinen eigenen Wurzeln. Denn so richtig zugehörig hat sich Edvard nie gefühlt. Gern hätte er mehr über seine Eltern und so auch über sich erfahren, über ihren Tod, aber auch über Großvaters Bruder Einar und warum zwischen den beiden diese unüberwindbare Kluft herrschte.

Nach dem Tod von Sverre schwirren ihm allerlei Fragen durch den Kopf, Umschläge ( die Sverre zurückließ ) werfen noch weitere auf. Warum hieß seine Mutter einst anders und wie kam sie an den Hof? Welche Beziehung hatte sie zu Einar?

Ruhelos begibt sich Edvard auf die ungewisse Reise nach Antworten, die soviel unvorstellbares zu Tage fördern, das es einem kalt den Rücken hinunter läuft. Einar scheint alles vor seinen Augen versteckt zu haben, er muss es nur entschlüsseln.
Bei seiner Reise trifft er auch auf Gwen Winterfinch ( die sich erst als andere ausgibt ), deren Großvater auch so seine Geheimnisse hatte und das wohl größte hing mit Einar zusammen.

Wir erfahren stückchenweise alle Details zu Einar und wie dessen Leben lief und ein vermögendes, sehr kostbares Erbe, ein Familiengeheimnis. Mit dem Verlauf der Geschichte hätte ich nicht gerechnet und es hat mich tief ergriffen. Die Wunden des Krieges werden deutlich aufgezeigt, die sinnlosen Opfer, auseinander gerissene Familien, die Nachwirkungen für die Überlebenden, die nun auch Edvards Vergangenheit neu schreibt.

Mit einer inneren Kraft, dem unbändigen Willen nun endlich reinen Tisch zu schaffen verfolgt Edvard seine Nachforschungen und erlangt damit schlussendlich auch seine Erinnerungen an den Tod seiner Eltern zurück, die mich erschütterten!

Ich habe so mit gefiebert bei jedem neuen Hinweis und das Ende mit all seinen gewonnenen Erkenntnissen und Gefühlen hat mich sprachlos zurück gelassen. Sehr traurig, aber auch hoffnungsvoll.

Familiengeheimnisse, die aufwühlen, einem noch lang im Gedächtnis haften bleiben. Und wie schon auf dem Buchumschlag vermerkt ein ganz großes Loblied auf das Holz. Ich fand die Schilderungen der Maserung und wie sie zustande kamen sehr interessant und mich würde interessieren, ob es gerade aus Kriegsregionen wirklich solche Bäume gab, wie im Buch beschrieben. Die Summen, die manch einer dafür zu bezahlen bereit ist übersteigen aber bei weitem mein Verständnis!

Autorenporträt:
 
Lars Mytting (* 1. März 1968 in Fåvang, Gemeinde Ringebu im
Gudbrandsdal in der Fylke Oppland im Königreich Norwegen) ist ein norwegischer Lektor, Journalist und Autor.
 
Als Jugendlicher zählten zu seinen liebsten Autoren jüngere US-amerikanische Schriftsteller genauso wie Mikael Niemi oder Peter Hoeg oder Dichter wie James McMurtry oder Lucinda Williams.

In späteren Jahren war er Lokal- und Featurejournalist für Zeitungen wie Dagningen, Aftenposten, Arbeiderbladet, heute Dagsavisen oder die Musikzeitschrift Beat.
Danach begann seine Zeit der beruflichen Wanderschaften zum Beispiel als Aushilfe in einem Autohaus, auf einer Nerzfarm oder auf Bauernhöfen in Norwegen oder Kanada.

Lange Jahre arbeitete Mytting als Verlagslektor bevor 2006 sein erster Roman Hestekrefter (Pferdestärken) erschien, der im Jahr darauf in deutscher Sprache gedruckt wurde. Seit 2008 ist das Schreiben sein Hauptberuf. Sein drittes Buch aus dem Jahr 2010 Hel ved (Echtes Holz) ist ein Sachbuch über das Holzmachen und wurde in seiner Heimat über 200.000 Mal verkauft.

Mytting führt in der Nähe des norwegischen Østerdalen ein zurückgezogenes Leben mit Frau, zwei Kindern und drei englischen Automobilen und schreibt an neuen Büchern.
( Quelle Wikipedia )

Weitere Bücher des Autors:

(auf deutsch)
- Der Mann und das Holz. Vom Fällen, Hacken und Feuermachen

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