[Rezension] Die unsterbliche Familie Salz von Christopher Kloeble



Die unsterbliche Familie Salz
- Christopher Kloeble -
4/5 Sterne

dtv Verlag
Roman
440 Seiten
Kindle Edition 18.99 €
Gebundene Ausgabe 22.00 €
ISBN: 978-3423280921

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Klappentext:
 
Ein Bierkeller, ein fürstliches Hotel und eine Großmutter, die zweimal stirbt.

Reich an Glanz und voller Schatten ist die Geschichte der Familie Salz – im Zentrum dabei immer: das prächtige Hotel Fürstenhof in Leipzig. Herr Salz, der ehemalige Pächter des Löwenbräukellers in München, kauft es 1914; seine Tochter, die Schauspielerin Lola aber wird es lange nicht betreten – nicht im Zweiten Weltkrieg, nicht danach, als das Hotel Staatseigentum der DDR ist und Lola mit ihrer fragilen Tochter Aveline in München lebt. Erst Kurt Salz holt es nach 1989 wieder in den Familienbesitz zurück. Lola regiert endlich über das Hotel und immer noch über eine Familie, die zerrüttet ist – vom Wandel der Zeiten und den Versuchen, ein Leben jenseits des Fürstenhofes zu führen. Der überraschende, faszinierende Roman einer höchst eigenwilligen Familie, in der sich die Schatten einer Generation auf die nächste legen – auch wenn jeder versucht, sein Leben in ein ganz neues Licht zu rücken.
 
Inhalt:
 
Wir erleben einen Einblick in verschiedene Generationen der Familie Salz. Angefangen mit Lola Rosa Salz, deren Leben sich grundlegend änderte, als ihr Vater Eigentum des Fürstenhofs wurde. Weiter über ihre Tochter Aveline Salz, die sehr unter ihrer Mutter leidet. Über Kurt Salz, ihren Bruder, bis hin zu dessen Tochter Emma Salz und seiner Enkelin Tara Jain.
 
Alle haben bis in die heutige Zeit die Folgen des Kaufes des Fürstenhofes von 1914 zu ertragen, jeder auf seine Weise.
Jede Person geht anders damit um, doch eins haben alle gemein: ihre Leben sind gezeichnet von Verlust, Angst und den gnadenlosen Entscheidungen ihrer Oma/Mutter Lola Rosa Salz.

Meine Meinung:
 
Ein Buch, welches noch sehr lange in meinem Gedächtnis verweilen wird, so sehr beschäftigen mich die Ereignisse und Erfahrungen der Protagonisten.
 
Eine Familie, die an der Entscheidung von Herrn Salz, den Fürstenhof zu kaufen, über Generationen zu Grunde geht. Ganz still und leise. Auslöser dafür, die Krankheit von Lolas Mutter, von der sie sich nie wieder erholen wird und einem Rat von Lolas Freund Maria, den außer ihr aber niemand sieht. Und so büßt sie hart für die Erlösung ihrer Mutter und es kommt zur Spaltung der Familie.
Im zweiten Weltkrieg finden die beiden Schwestern für kurze Zeit wieder ihren Zusammenhalt. Geprägt durch all die schlimmen Ereignisse während und nach des Krieges, die zusammen geschweißt haben. Nur ihrem Vater vergibt Lola nie, erst sehr lange nach seinem Tod wird sie den Fürstenhof ein letztes Mal betreten.
 
Lola zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch, bei jedem ist sie sehr präsent, beeinflusst nicht nur das Leben ihrer Kinder. Und das leider nicht zum positiven. Mit ihrer Art war sie schon immer eine sehr Dominante Seite im Leben aller, die einem als Leser so unwirklich vorkommt und deren Tragweite so grausam und herzlos ist.
 
Nicht nur die Kriegsjahre haben Lola sehr geprägt, schon in ihrer Kindheit, nach dem Tod der Mutter wandelt sich ihr Leben schmerzhaft und die benötigte Liebe wird ihr entzogen. Der Krieg und die grausamen, brutalen Ereignisse haben sie weiter geprägt und nach Überleben des Krieges nimmt ein weiterer Schicksalsschlag ihr alle Lebensfreude und verwandelt sie in eine trinkende Mutter, die ihren Kindern angsteinflößende Gutenachtgeschichten erzählt und deren Leben sehr sehr negativ beeinflusst.
 
Die Ereignisse während und vor allem die nach dem Krieg, auf der Heimreise der jungen Familie haben mich sehr getroffen. In meiner Generation hat man dazu kaum noch eine Verbindung und kann sich, so verwöhnt wir heute alle sind, kaum diese Entbehrungen und Nöte, diese Grausamkeit vorstellen. Lola war eine sehr starke Persönlichkeit, eine Mutter, die wie eine Löwin alles für ihre Familie gegeben hat. Eine Frau die meinen vollen Respekt verdiente! Eine Frau die soviel erdulden musste! Eine Mutter, die man sich gewünscht hätte und von der man dachte, sie wird immer für ihre Kinder da sein, sie beschützen vor all dem Bösen in der Welt - den Menschen ohne Schatten.
 
Doch gerade sie ist die größte Bedrohung für ihre Kinder. Nach dem Krieg ist von der fürsorglichen Mutter nicht mehr viel übrig. Ihre Kinder leiden sehr darunter, jeder auf seine Weise, ihr Leben lang.
 
Als Leser ist man enttäuscht und wütend über diese neue Lola, die allen diese unschuldigen Leben verdirbt. Die einen so großen Einfluss auf ihre Kinder und deren Entscheidungen ausübt, das es schon beim Lesen weh tut. Wie kann jemand so kalt und berechnend sein?
Ich war fassungslos, kann noch immer nicht verstehen wie eine einst so liebevolle Mutter zu diesem herzlosen, berechnenden Wesen werden konnte.
Man möchte ihren Kindern sagen - verschwindet und kommt nie zurück, nur so findet ihr euer Glück! Doch man sitzt gefesselt daneben und kann nichts weiter tun, als die Katastrohen auf sie zu rollen zu sehn.
 
Es ist unfassbar, wie viel Einfluss eine einzige Person auf so viele Generationen haben kann. Wie stark sie diese beeinflusst und in welchem Rahmen es sogar noch die nächsten Generationen betrifft!
 
Und alles nur, weil Herr Salz den Fürstenhof gekauft hat?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, das es sich lohnt die Geschichte der Familie Salz zu lesen!
Sie berührt auf so viele unterschiedliche Weisen und lässt einem das Leben aus einem neuen Blickwinkel sehn!
 
Autorenporträt:
 
Christopher Kloeble studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig
und an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Beiträge von ihm erschienen u.a. in der ZEIT, der Süddeutschen Zeitung und der taz. Er war Stipendiat des International Writing Programs der University of Iowa und Writer-in-Residence der Cambridge University (GB). Sein Theaterstück ‚Memory‘ war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Für sein Romandebüt ‚Unter Einzelgängern‘ wurde er mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet. 2009 erschien sein Erzählband ‚Wenn es klopft‘. Sein erstes Drehbuch wurde 2011 für BR α verfilmt.
( Quelle Amazon )

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